20November
2017

La Paz, el Camino de la Muerte und die Isla del Sol

Es ist zwar schon eine Weile her, aber ich möchte gern nachträglich über meine Erlebnisse in La Paz berichten, wo ich gemeinsam mit Julian, einem anderen Freiwilligen, vom 01.11 bis zum 07.11. eine Woche verbrachte.

La Paz ist mit bis zu 4100 Höhenmetern der höchstgelegene Regierungssitz der Welt. El Alto eingeschlossen hat die Stadt 2 Millionen Einwohner und wächst stetig. Am 1. November sind wir von Tarija aus über Cochabamba nach La Paz geflogen. Noch im Flugzeug sitzend, haben wir plötzlich bemerkt, wie sich ein merkwürdiger Druck auf unsere Brust gelegt hat. Es war, als würden wir nicht genügend Luft durch die Nase holen können, obwohl wir ganz normal atmeten. Dieses Gefühl wurde in der Woche zwar weniger, ließ uns aber nie ganz los. Zehn Meter bergauf laufen reichte, um den Herzschlag auf das Doppelte zu erhöhen und einen fix und fertig zu machen. Auf dieser Höhe liegt der Sauerstoffgehalt nur noch auf 70% des Gehalts auf Meeresspiegelhöhe - eine wahre Anstregung für den Körper.

In den ersten Tagen erkundetet wir die Stadt, fuhren Teleférico und schlenderten über die touristischen Märkte. La Paz ist berühmt für seine Teleféricos. Das Seilbahn-Netz war anfänglich dafür ausgelegt, das höher gelegene El Alto mit dem Zentrum von La Paz zu verbinden, da es kaum größere Straßen gibt und die Menschen teilweise einen Höhenunterschied von 900 Metern überwinden mussten. Bis 2020 sollen sich insgesammt 8 Linien durch ganz La Paz und El Alto erstrecken. Von den Teleféricos aus hat man einen fantastischen Blick über die Stadt.

Blick über La Paz aus dem Teleférico

Am Samstag sind wir die gefährlichste Straße der Welt - den Camino de la Muerte, auch Todesstraße - mit dem Fahrrad hinunter gefahren. Natürlich in einer geführten Tour mit einem Guide, der uns auf dem Weg immer wieder Geschichten davon erzählt hat, wer, wann und wie an dieser Ecke, wo wir gerade standen, abgestürzt ist. Begonnen haben wir die Tour auf 4700 Metern. Die "Death Road" führt von La Paz hinunter in die Yungas. Die 70 km lange Straße zwischen La Paz und Coroico überwindet unglaubliche 3600 Höhenmeter mit unzähligen Haarnadelkurven und engen Passagen, immer ganz dicht am Abgrund ohne Leitplanken. Der Weg ist steinig und rutschig, ab und zu fährt man unter kleinen Wasserfällen hindurch. Hinter jeder Kurve könnte plötzlich ein Auto lauern. Es war ein wahres Abenteuer diese Straße hinunter zu preschen. Auf knapp über 1000 Metern angekommen, endete das Abenteuer. Unsere Hände und Arme taten uns weh und wir waren völlig erschöpft, aber glücklich und stolz, dieses Erlebnis gemacht zu haben. Danach sind wir im Bus nach Coroico in ein Hotel gefahren worden, wo wir uns im Pool eine Abkühlung holen und uns der Bauch vollschlagen konnten. Der Heimweg führte über die neue asphaltierte und mit Leitplanken versehene Straße zurück nach La Paz.

Auf dem Camino de la Muerte

Am Sontagmorgen trafen wir uns mit Jorina, Felix, Viktoria, Freiwillige aus La Paz, Johanna und Theresa, die aus Sucre zu Besuch waren. Gemeinsam mit Johanna und Theresa besuchten wir das "Valle de la Luna" - Mondtal -, das aus bizarren Felsgebilden, kraterähnlichen Formationen, Erdhügeln und Felsspalten besteht. Es war ein bisschen so, wie man es sich auf dem Mond vorgestellt hätte, daher wahrscheinlich auch der Name. Jorina und Felix zeigten uns am Abend ein leckeres Mexikanisches Restaurant - mal was ganz anderes, sowas gibt es in Tarija nicht.

  Valle de la Luna

Am frühen Morgen des nächsten Tages fuhren Julian und ich mit dem Bus in das 4 Stunden entfernte Copacabana, einem der bedeutensden Wallfahrtsorte Boliviens. Dementsprechend war der Ort auch touristisch überlaufen. An jeder Ecke wollte man uns Reisen verkaufen oder wurden wir auf Englisch in Restaurants eingeladen. Wir waren froh, als wir auf der "Isla del Sol" - der Sonneninsel - ankamen. Ein Boot fährt ca. drei Mal am Tag von Copacabana auf die Insel. Ein Hostelbesitzer pries uns gleich seine Herberge an und half uns, unsere Taschen die unzähligen steilen Stufen hinaufzubefördern, denn hier gibt es keine Straßen. Oben angekommen offenbarte sich uns ein herrlicher Blick über die Bucht und eine Ruhe umfing uns, die den Trubel der Stadt vergessen ließ. Wir wanderten ein Stück die schöne Küste entlang zu einem Aussichtspunkt. Ein anstrengender Spaziergang, denn der Körper war die Höhe noch immer nicht gewohnt. Am Aussichtspunkt angelangt, wurden wir jedoch für unsere Mühe mit einem tollen Sonnenuntergang belohnt und lernten Backpacker aus Australien und Kanada kennen, mit denen wir dann noch zu Abend aßen.

Isla del Sol

Am nächsten Tag mussten wir leider schon den Rückweg antreten, denn unser Flug zurück nach Tarija ging am Abend. Gern wären wir länger auf der ruhigen hüpschen Insel geblieben. Sie war der perfekte Abschluss unseres Urlaubs.   

20Oktober
2017

Im Herzen Boliviens

Vom 13. bis zum 15. Oktober war ich mit meiner Gastfamilie in Cochabamba. Cochabamba ist mit 630.000 Einwohnern die viertgrößte Stadt Boliviens und liegt im Herzen des Landes. 

Am Freitagmorgen bin ich zusammen mit meinen Gasteltern und meiner jüngeren Gastschwester ganz früh von Tarija nach Cochabamba geflogen. Der Flug dauerte 50 Minuten. Wir sind in ein kleines Hotel nahe der Plaza de 14 de Septiembre eingecheckt und haben unsere Sachen abgelegt, um auf einem nahe gelegenen Essensmarkt zu frühstücken. Danach sind wir zur Plaza geschlendert, die von Gebäuden aus der Kolonialzeit umgeben ist und auf der sich Straßenkünstler, Touristen und Einheimische begegnen. Südlich vom Stadtzentrum liegt der Markt La Cancha, er soll der größte Straßenmarkt in ganz Südamerika sein. Der Mark zieht sich Straße um Straße durch die Stadt und ist an einigen Teilen von regem Verkehr geprägt. Von Blumen über Obst und Gemüse bis hin zu Anziehsachen und Spielzeug findet man hier nahezu alles, was das Herz begehrt und das zu manchmal unglaublichen Preisen. Ein Paradies für Schnäppchenjäger. Zum Mittag haben wir Familie meiner Gastmutter besucht und ich konnte einen weiteren Teil dieser großen und vor allem herzlichen Familie kennenlernen, die mich sofort auf- und annahm. Da Cochabamba viel größer ist als Tarija, findet man dort Malls und Einkaufszentren mit Läden, wie man es aus Deutschland gewohnt ist, und großen Foodcourts mit bekannten Fastfoodketten. Eine Attraktion für junge Leute ist die Partymeile, an der sich Pub an Disko an Bar reihen und die gerade am Freitagabend gut gefüllt war. So konnten wir bei eine Modenshow zuschauen, die direkt auf dem Boulevard stattfand, nachdem wir aus dem traditionellen Restaurant nebenan kamen. Eine gute Mischung.

Der Markt

Am Samstag besichtigten wir das Wahrzeichen von Cochabamba - die Christusfigur Cristo de la Concordia. Eine Seilbahn brachte uns auf den Berg, auf dem sie errichtet wurde und dadurch von fast jedem Punkt der Stadt aus zu sehen ist. Sie ist die größte Christusstatue der Welt und von oben hat man einen fantastischen über die Stadt. Am Nachmittag sind meine Gastschwester und ich über den Markt geschlendert und haben uns von einigen Schnäppchen locken lassen.

Cristo de la Concordia

Am Sonntagmittag haben wir zusammen mit der dort lebenden Familie an dem See Laguna Alalay gegessen, der sich neben dem Stadtzentrum erstreckt. Er ist nicht nur ein Touristenmagnet, weil hier Speed- und Bananabootfahren angeboten wird, sondern bietet auch eine herrliche Natur und einen tollen Blick auf die umliegenden Berge und Hochebenen.

Mit meiner Gastschwester Blanca

Generell ist Cochabamba sehr grün und überall sieht man Blumen und Gewächse blühen, die in Tarija gar nicht wachsen. Am späten Abend ging unser Flug dann zurück in die Heimat. Die Stadt hat mir sehr gut gefallen und ist es auf jeden Fall wert, besichtigt zu werden. Ich hab mich riesig gefreut, dass meine Gastfamilie mir angeboten hat, mich dorthin mitzunehmen und sie mir zu zeigen. 

27Sept
2017

Meine ersten Arbeitstage

Letzten Donnerstag habe ich zusammen mit meinem Regionalkoordinator zum ersten Mal mein Projekt besucht, das für das kommende Jahr meine Arbeitsstelle sein wird, und mich vorgestellt. Im "Hogar de Ninos Sagrada Familia" leben 52 Jungen und Mädchen zwischen 0 und 9 Jahren. Später werden die Kinder nach Geschlechtern auf zwei weitere Heime in Tarija verteilt, in denen ebenfalls Freiwillige arbeiten. Die Kinder wohnen und leben in dem Heim, manche haben sehr arme Eltern, andere sind Weisen. Das Heim zielt darauf ab, die Kinder an Familien zu vermittel, die sie adoptieren wollen, bietet den Kindern Schutz und Geborgenheit und sorgt sich um ihr seeliches und körperliches Wohlergehen. 

Das erste Mal habe ich am Freitag gearbeitet. Es war jedoch ein besonderer Tag, da sich alle Heime auf einem großen Sportplatz getroffen, gemeinsame Gruppenspiele veranstaltet und zusammen gegessen haben. Für die Kinder war es ein großer Spaß und zudem eine Freude, ihre älteren Freunde aus den anderen Heimen wiedersehen zu können. Nachdem wir wieder zurückgefahren waren, habe ich mich einige Stunden um die Babys gekümmert, die kaum ein Jahr alt sind. Erst am Tag zuvor wurde ein vier Wochen altes Baby abgegeben, das seelig in meinen Armeen eingeschlafen ist und mich fast zu Tränen gerürt hat. 

Am Montag habe ich dann richtig angefangen zu arbeiten. Ich bin zwischen 9 und 18 Uhr in dem Heim, welches ca. 40 Minuten mit dem Bus von meinem Zuhause entfernt liegt. Die letzten zwei Tage habe ich morgens zusammen mit der Profesora, wie sie alle dort nennen, die zwei- und dreijährigen Kinder betreut, mit ihnen gespielt, gesungen und Zahlen geübt. Die Kinder haben mich sofort aufgenommen, sind aufgeschlossen zu mir gekommen, haben mir ganz viele Sachen erzählt, von denen ich meistens leider nur die Hälfte verstanden habe, und mich sofort als neue Person akzeptiert. Halb zwölf bereiten sich die kleinen aufs Mittagessen vor, zu dem die Schulkinder kurz darauf dazustoßen. Nach dem Mittagessen wird bis halb drei Siesta gemacht, die Kinder halten Mittagsschlaf und ich hätte zu der Zeit auch frei, hab die letzten zwei Tage jedoch mit aufgepasst, ob auch alle ruhig sind. Am Nachmittag ist für die Schulkinder Hausaufgabenbetreuung, wo ich ihnen in Mathe und Spanisch helfe und selbst neue Wörter dazulernen kann. Auch die größeren Kinder sind total von mir begeistert, wollen mir alles zeigen, mich immer um sich haben und die ganze Zeit mit mir reden. Es ist ein schönes Gefühl, zu sehen, wie sie lachen und glücklich sind. 

 

 

16Sept
2017

Wer ich bin und warum ich einen Blog schreibe

Hallo allerseits!

Mein Name ist Vivien, ich bin 18 Jahre alt und habe diesen Sommer mein Abitur gemacht. Da ich nicht gleich studieren gehen wollte und außerdem von einem stetigen Fernweh geprägt bin, habe ich mich entschieden, einen Bundesfreiwilligendienst in einem anderen Land zu absolvieren.

Dafür musste ich mich zuerst bei einigen deutschen Organisationen bewerben, die Freiwillige weltweit entsenden. Diese Organisationen findet man gebündelt auf der Internetseite weltwaerts.de. Dort konnte ich auswählen, auf welchen Kontinent und in welche soziale Richtung ich mich orientieren möchte. Da ich seit einigen Jahren in der Schule Spanischunterricht hatte, stand für mich schnell fest, dass ich gern nach Lateinamerika reisen würde. Durch meine langjährigen Erfahrungen in der Kinderbetreuung, war klar, dass ich in dem fremden Land mit Kindern arbeiten möchte.

Nach der Bewerbung wurde ich von verschiedenen Organisationen zu einem Auswahlseminar eingeladen und bin durch ganz Deutschland gereist, um meinen Traum war werden zu lassen. Schließlich hatte ich das Glück, von meiner favorisierten Organisation angenommen zu werden - dem Bolivianischen Kinderhilfswerk, kurz BKHW. Wie der Name schon sagt, entsendet die Organisation ausschließlich nach Bolivien. Im Juli kamen 25 der ca. 50 Freiwilligen, die das BKHW dieses Jahr entsendet, zusammen und nahmen an einem einwöchigen Vorbereitungsseminar teil. Dort wurden wir sowohl über die schönen als auch über die negativen Seiten eines Freiwilligendienstes in einem Entwicklungs- und Schwellenland informiert und hatten die Möglichkeit, die Menschen kennenzulernen, mit denen wir das kommende Jahr im selben Land verbringen werden. Das BKHW teilte die Einsatzstellen unter Berücksichtigung der Talente und Wünsche jedes einzelnen zu. Mir wurde der Wunsch erfüllt, mit kleinen Kindern arbeiten zu dürfen und so werde ich in einem Kinderheim für Kinder zwischen 0 und 8 Jahren arbeiten.

Das Kinderheim befindet sich in Tarija, einer 200.000 Einwohner starken Stadt im Süden Boliviens. Dort wohne ich in einer Gastfamilie. Insgesamt werden 9 Freiwillige für ein Jahr in Tarija leben und arbeiten sowie helfen, die hierigen Verhältnisse zu verbessern und vor allem für unser Leben lernen.

Dies ist der erste Eintrag in meinem neuen Blog. In Zukunft werde ich hier über meine Erlebnisse in Bolivien berichten.